Was sagt die Presse?

28.10.2004


Wie man fröhliche Menschen malt
Im Schleswiger Museum für Outsiderkunst leitete der Comiczeichner Kim Schmidt einen Workshop für Menschen mit Behinderungen

Schleswig
Nadine Heggen

"Wir zeichnen jetzt einen fröhlichen Menschen!" Kim Schmidt malt zunächst einen Kreis auf einen großen Block und schaut aufmerksam auf die Zeichnungen seiner Schützlinge.

Normalerweise ist der Comiczeichner (Local Heroes) schnelles Arbeiten gewöhnt, doch bei den sechs Teilnehmern seines heutigen Workshops im Museum für Outsiderkunst ist ein langsameres Tempo angesagt.

Uwe Paulsen, Eberhard Deike, Udo Blaas, Georg Bohnert, Sigmund Ludwig und Ilona Meyer sind Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. Sie haben den Comiczeichenkursus über den Bildungskatalog der Förderzentren der Stadt Schleswig gebucht.

Neben Fahrten zum Lübecker Weihnachtsmarkt und Besuchen auf dem Bauernhof steht Schmidts Comiczeichenkursus auf dem Programm, und das bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. "Die Teilnehmer hatten so viel Freude beim Zeichnen, dass wir Kim Schmidt gleich noch mal gebeten haben, bei uns zu zeichnen", berichtet Kunstpädagogin Gudrun Gaida-Sachse. "Für viele ist Kunst eine Form, sich auszudrücken, eine Art der Sprache."

Dabei sind einige der Teilnehmer im Zeichnen schon mehr als geübt. Georg Bohnert und Uwe Paulsen arbeiten außerhalb solcher Workshops in Kunstateliers der Förderzentren. Ihre Werke sind im Outsidermuseum ausgestellt und käuflich zu erwerben.

So hat Bohnert eine ganz eigene Interpretation von Schmidts Vorgaben. Er bevorzugt seine Kugeltechnik bei der Umsetzung. Ob Wikingerschiffe, Menschen oder Hunde: Alle Objekte bestehen bei Bohnert überwiegend aus Kugeln. Dabei sind Details für ihn von größter Bedeutung. Bohnert blickt von seiner Zeichnung auf und lacht Kim Schmidt an. Da er gehörlos ist, macht er sich über Gestik und Mimik verständlich. Er deutet auf das Comic-Männchen, das Schmidt gerade gezeichnet hat und zeigt mit den Fingern auf seine Augen. Schmidt versteht, was Bohnert sagen möchte. "Wie du meinst. Dann male ich dem Männchen offene Augen." Bohnert beobachtet Schmidt genau, zeigt dann mit dem Daumen nach oben. So ist es richtig!

Eberhard Deike verfolgt zwar jeden Zeichenschritt von Schmidt, malt aber ein ganz eigenes Bild mit Phantasiefiguren, deren Köpfe er mit schwarzem Filzstift ausmalt. Auch Ilona Meyer zeichnet längst nicht mehr alle Comicfiguren mit, sondern vervollständigt das Bild auf ihr Weise. "Niemand muss meine Vorgaben nachzeichnen", sagt Schmidt. "Ich möchte meine Seminarteilnehmer nur dazu anregen, überhaupt einen Stift in die Hand zu nehmen."

Nach etwa 2 Stunden ist der Workshop vorbei, und es gibt Apfel- und Butterkuchen für die Künstler. "Solche Seminare machen mir wirklich Spass", resümiert Schmidt. "Schön, wenn am Ende eines Nachmittags die Teilnehmer zufrieden mit ihren Bildern nach Hause gehen."







17.02.2004


Strichmännchen retten die Welt und verleihen der Phantasie Flügel
Comicworkshop im Jugendhof Scheersberg mit Zeichner Kim Schmidt

Quern
Sic

Hundais kämpfen gegen Katzasakis, eine Wurst rettet ein altes Brot vor dem Selbstmord und Schidralord die Welt mit seinem Top-Speed-Ökopanzer: in Comics ist alles möglich. "Hier, jetzt besiegt Schildralord noch den Drachen, und dann hat er einen Feuerpanzer", erklärt Finn Schwerdtfeger (11) aus Rabel, während er begeistert an seinem Comic zeichnet.

24 Kinder und Jugendliche zwischen 8 und 15 Jahren haben die Köpfe über ein Blatt Papier gebeugt und bearbeiten es mit Bleistiften und Filzstiften.
Vor dem Fenster des Werkraums im Jugendhof Scheersberg scheint die Wintersonne. Kim Schmidt geht durch die Reihen und gibt hier und da einen Tipp.

"Zeig mir, wie du ein Pferd malst", bittet Clara Stegemann, mit ihren 8 Jahren die jüngste Kursteilnehmerin. Aus zwei Kullern und einigen Strichen hat der 38-jährige Comiczeichner schnell ein dickes Pony gezaubert. "Und weil ich die Pferdefüße nicht so gut kann, male ich unten immer Grass, das die Hufe verdeckt", rät er.

Kim Schmidt aus Güllerup - Verzeihung, aus Dollerup - , u.a. bekannt als Zeichner der Cartoonserie "Local Heroes", ist Leiter des dreitägigen Comic-Zeichenkurses am Jugendhof Scheersberg. "Hier kommt es nicht so drauf an, dass das Bild gut aussieht, Hauptsache, es ist lustig", erklärt die 14-jährige Deborah Gregersen aus Haurup ihre Begeisterung für Cartoons und Karikaturen.
Kim Schmidt, selbst Vater von zwei Söhnen, versichert, dass er gern mit Kindern arbeitet. "Ich bin immer ganz erstaunt, wie konzentriert sie bei der Sache sind und wie viel Phantasie sie haben."

Der Zeichner berichtet, wie er die jungen Künstler einweist:
"Zuerst erzähle ich ein bißchen darüber, wie man zum Beispiel eine Hand zeichnet oder einen Kopf. Dann überlegen wir uns zusammen Themen, und es geht los."
Zusammen haben die jungen Kursteilnehmer ein ganzes Comic-Heft erstellt. Sören Wacker aus Hattstedt zeichnet einen Jungen, der fast wie eine Manga-Figur aussieht. Er hat abstehende Haare und ein knallrotes Gesicht. "Ein wütender Punk", erklärt er.
Matthias Stadsholt (13) kommt es weniger auf naturalistische Zeichnungen an. Er erzählt mit sparsamen Strichen die Geschichte von der "Superkartoffel", einer Knolle mit der Aufschrift "SK", die die "SBK" (Superböse Kartoffel") bekämpft. Klar, dass SBK viele Narben auf der Knolle hat und eine fieses "har har" in die Sprechblase hustet, und fast wäre der unparteiische Apfel ins Kreuzfeuer der Armeen aus Helfer-Porree geraten, wenn SK nicht vorher gewonnen hätte. Von der superbösen Kartoffel ist nur ein Knäuel aus schwarzen Strichen geblieben. Ob die Geschichte das Abbild einer Schlacht am Abendbrotstisch war?

Doch Organisator Heinz-Otto Scharfenort vom Scheersberg lobt ausdrücklich das Benehmen der Gruppe: "Obwohl der Altersunterschied so groß war, haben sich die Kinder prima verstanden."
Der nächste Comic-Kursus sei leider bereits ausgebucht, aber Scharfenort verspricht: "Im Herbst oder im kommenden Jahr veranstalten wir wieder ein Seminar mit Kim Schmidt."





21.10.2002


Mit einer Figur fängt alles an
Comic-Zeichenkurs mit Kim Schmidt sehr gefragt

Unewatt
hma

Dreizehn Kinder hatten sich für den Comiczeichenkurs mit dem Cartoonisten und Grafiker Kim Schmidt aus Dollerup angemeldet.
Mehr als fünfzig drängten sich in der Buttermühle, quetschten sich auf die Bänke, suchten sich einen Stuhl und wer keinen Platz am Tisch fand, legte sich den Zeichenblock einfach aufs Knie.
Es war nicht das erste Mal, dass der Vater der "Local Heroes" und Erfinder der Cartoonlandkarten "Hedwig-holzbein oder "Nordrhein-Vandalen" zum Zeichenkurs in das Landschaftsmuseum eingeladen hatte. Aber so einen Andrang haben weder er, noch Museumsdirektor Jochen Clausen bisher erlebt.

Sogar von Hamburg und Bochum aus waren die Kinder gekommen, um den Autor der Comicserie "Unser Schumi" kennen zu lernen und ihm beim Zeichnen über die Schulter zu schauen. Nach einem kurzen Einblick in die verschiedenen Techniken des Comiczeichnens forderte Schmidt die zehn- bis Vierzehnjährigen auf, eine Figur zu zeichnen, "mit dem Bleistift".
Ein Comiczeichner beginne immer die Skizze mit dem Bleistift.

Spencer aus Ostenfeld hat schon Comicfiguren gezeichnet und mit wenigen Strichen zauberte er "Batman" aufs Papier. Einige wagten sich sogar an "Henne Hanne" oder "Alwin, das Rind", Comicfiguren, die Kim Schmidt in seinem Kinderbuch "Der fliegende Leuchtturm" zum Leben erweckte.
Die Bleistiftskizzen waren fertig und jetzt ging es daran, die Konturen mit dem Filzstift nachzuziehen. Schmidt ist Pädagoge genug, um zu wissen, daß Kinder Erfolgserlebnisse brauchen, ihre Zeichnungen vorzeigen wollen und er hatte sich als Thema für diesen Nachmittag die Weihnachtszeit ausgedacht. "Zwar ein bißchen früh", meinte der Karikaturist, "aber Weihnachten beflügelt die Phantasie der Kinder."
Mit tatkräftiger Hilfe des Profis machten sich alle an die Arbeit und zeichneten, was die Bleistifte hergaben. Keine gewöhnlichen Weihnachtskarten mit Engeln und Weihnachtsmännern, sondern kleine, gagige Bildergeschichten über das Weihnachtsfest.
Die Zeit war um und die kleinen Nachwuchstalente trennten sich schwer von ihren Zeichenblöcken. "Wann ist der nächste Zeichenkursus?" die Begeisterung der Kinder wirkte ansteckend.

So mancher Vater oder Mutter schielte als Zaungast auf die Zeichnungen der Kinder und bedauerte, nicht mitzeichnen zu können. "Der Comiczeichenkurs für Eltern findet im nächsten Jahr statt", tröstete sie Museumsdirektor Jochen Clausen.





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